Home Gedenkfeiern Kundgebung vom 19. Dez. 2008

"Ein Schlag ins Gesicht aller NS-Opfer“

Protestkundgebung nach der zweiten Schändung des Homosexuellen-Denkmals am 19. Dezember 2008

Der KZ-Überlebende Rudolf Brazda und der Bundespräsident verurteilen den Anschlag

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin ist in der Nacht zu Dienstag, dem 16. Dezember 2008, erneut demoliert worden. Unbekannte schlugen das Sichtfenster ein, durch das man den Film zwei sich küssender Männer sehen kann. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. Er sei ein "Schlag ins Gesicht aller Opfer des NS-Terrors!" Es war bereits der zweite Anschlag auf das Denkmal. Erst am 16. August 2008 war es demoliert worden. Unbekannte schlugen auch damals das Sichtfenster ein.

Klaus Wowereit und Günter Dworek am Denkmal

Der KZ-Überlebende Rudolf Brazda äußerte sich gegenüber Berlins LSVD-Pressesprecher Alexander Zinn entsetzt: „„Das ist traurig, schrecklich traurig. Einige sind wohl unbelehrbar. Sie werden es offenbar nie akzeptieren, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie."

Bundespräsident Horst Köhler verurteilte den Anschlag aufs schärfste . In einem Schreiben an den Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. begrüßte er die Protestkundgebung, zu der der LSVD für den 19. Dezember aufgerufen hatte. Der Bundespräsident erklärte, dass es wichtig sei, „denen entgegenzutreten, die aus niederen Beweggründen Taten wie diese begehen“.

An der Mahnwache, die am 19. Dezember am Denkmal stattfand, nahmen etwa 50 Personen teil, darunter auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hielt eine Ansprache, in der er deutlich machte, dass derartige Anschläge nicht hingenommen werden. Die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, Petra Rosenberg, erinnerte an die homosexuellen NS-Opfer und mahnte, dass das NS-Unrecht niemals in Vergessenheit geraten dürfe. Auch die Bundestagsabgeordneten Michael Kauch (FDP), Volker Beck (Grüne) und Barbara Höll (Die Linke) hielten kurze Ansprachen.

Der Brief des Bundespräsidialamtes an den LSVD Berlin-Brandenburg:

„Der Bundespräsident hat die Nachricht über den Anschlag auf das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen mit Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Er wird sich über die Ermittlungen und deren Ergebnis berichten lassen. Eine Teilnahme an der für heute geplanten Kundgebung ist ihm aus Termingründen leider nicht möglich.

Der Bundespräsident verurteilt Anschläge wie diesen auf das schärfste. Er würdigt das Engagement derer, die die Erinnerung an die Opfer der NS-Gewalt-herrschaft wach halten. Dazu gehört auch, denen entgegenzutreten, die aus niederen Beweggründen Taten wie diese begehen. Darum ist auch die von Ihnen geplante Protestkundgebung wichtig. Der Bundespräsident wünscht ihr die verdiente große öffentliche Aufmerksamkeit und bittet Sie, allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern seine Grüße zu übermitteln.“

 
für die gesamte Website: © Alexander Zinn 2008
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