Home Gedenkfeiern Kundgebung vom 18. Aug. 2008

"Ein heimtückischer und erbärmlicher Anschlag“

Protestkundgebung gegen Schändung des Homosexuellen-Denkmals

Nach dem Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin gab es am Montag, dem 18. August 2008, nachmittags um 17 Uhr eine Protestkundgebung. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Insgesamt nahmen an der Veranstaltung rund 200 Personen teil. Vertreter des LSVD entrollten vor dem Denkmal ein Transparent mit der Aufschrift "Respekt immer, Hass nimmer".

Klaus Wowereit und Günter Dworek am Denkmal

Bei der Kundgebung sprachen u.a. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, LSVD-Bundesvorstand Günter Dworek, die Berliner Abgeordneten Monika Thamm (CDU) und Anja Kofbinger (Grüne) sowie Ulrich Baumann von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Klaus Wowereit nannte die Tat einen „heimtückischen und erbärmlichen Anschlag“, der eindeutig einen homosexuellenfeindlichen Charakter habe. „Ein Anschlag auf dieses Mahnmal ist eindeutig gegen Homosexuelle gerichtet. Das lässt sich sagen, ohne dass man weitere polizeiliche Ermittlungen abwarten muss.“ Wowereit erinnerte daran, dass er das Denkmal erst zwei Monate zuvor gemeinsam mit Rudolf Brazda, einem homosexuellen Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, besichtigt hatte. Der Anschlag mache deutlich, dass das Denkmal neben der Erinnerung an die NS-Opfer auch aktuelle Relevanz habe für den Kampf um Gleichberechtigung und gegen die Diskriminierung Homosexueller.

Rudolf Brazda selbst hatte sich zuvor gegenüber Berlins LSVD-Pressesprecher Alexander Zinn entsetzt geäußert: „Dieser Anschlag ist schrecklich, ekelhaft ist das! So etwas heute, nach all dem Leid und Grauen, das wir erleben mussten. Hundsgemein ist das! Doch ich muss sagen, ich hatte so etwas befürchtet. Die Menschen lernen offenbar nicht dazu, sie sind leider viel zu dumm dazu. Weil sie es nicht verstehen wollen, dass es so etwas gibt wie Homosexualität. Weil sie es nicht akzeptieren wollen, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie.“

LSVD-Bundesvorstand Günter Dworek verwies auf die verbreitete Homosexuellenfeindlichkeit.

So fände es noch immer ein Drittel der Bevölkerung "eklig", wenn sich zwei Männer küssen. Auch antihomosexuelle Gewalt sei weit verbreitet, wie diverse Übergriffe auf schwule Männer in der vergangenen Woche gezeigt hätten. Dworek forderte im Namen des Lesben- und Schwulenverbandes einen "nationalen Aktionsplan gegen Homophobie".

Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme zu dem Anschlag: „Die Beschädigung des Mahnmals für die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen macht mich betroffen. Eine solche Tat ist Ausdruck von großer Intoleranz und Menschenverachtung zugleich. Über die strafrechtliche Verfolgung und die mögliche Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen hinaus sind wir aufgerufen, uns auch inhaltlich mit solchen Vorgängen auseinander zu setzen und uns für mehr Toleranz und Respekt vor der Würde des Anderen in unserer Gesellschaft zu engagieren!“ Das Mahnmal war am 27. Mai von Kulturstaatsminister Bernd Neumann der Öffentlichkeit übergeben worden. Die Beseitigung der Schäden werde - so der Staatsminister - schnellstmöglich erfolgen.

Stellungnahme des KZ-Überlebenden Rudolf Brazda

Newsletter des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg

Presseerklärung des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland

Solidaritätsschreiben von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma

Bericht der taz vom 19. August 2008

Bericht des Tagesspiegels vom 19. August 2008

Bericht der Berliner Morgenpost vom 19. August 2008

Bericht von AFP

 
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Aller verfolgten im Nationalsozialismus gedenken - Winkel in allen Farben der Haftgruppen