Home Homosexuellen-Denkmal Film

Der Film in Inneren des Denkmals

Im Inneren der Beton-Stele kann man durch ein Sichtfenster einen endlosen Film sehen, in dem sich zwei junge Männer küssen. Damit soll unter anderem darauf aufmerksam gemacht werden, dass im "Dritten Reich" bereits Küsse unter Männern zu einer Verurteilung nach § 175 führen und eine Verschleppung ins Konzentrationslager nach sich ziehen konnten.
Film von Michael Elmgreen und Ingar Dragset

Die beiden Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset erklärten ihren "Entschluss, das Bild zweier küssender Jungs zu nehmen" unter anderem damit, "dass wir Machismus und Homophobie als eng verbunden betrachten. Das Selbstbild einer männlichen Sexualität, das alles fürchtet, was es potentiell bedrohen könnte."
Den Film anschauen


Im Interview mit der Berliner Zeitschrift zitty erklärten Elmgreen und Dragset im Mai 2008: "Auch im Jahr 2008 wird in Berlin zwei Männern, die sich in der Öffentlichkeit küssen, immer noch hinterher gebrüllt. Tagsüber und auf offener Straße." Küssende Männer würden als so anstößig empfunden, "weil das immer noch Männlichkeit in Frage stellt". Zwei küssende Frauen würden dagegen "in Hetero-Pornos als Standardfantasien genutzt, so, als ob sie Teil der heterosexuellen Welt seien. Das wird mit Männern nie so sein."

Das Sichtfenster des Denkmals wurde bereits drei Mal beschädigt. Diese Anschläge galten zweifellos dem mann-männlichen Kuss, der laut Umfragen noch immer von einem Drittel der deutschen Bevölkerung als "eklig" empfunden wird. Weitere Informationen zu den Anschlägen


 

Ausschreibung für einen neuen Film

Der Film des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen soll alle zwei Jahre durch einen neuen von anderen Künstlerinnen und Künstlern ersetzt werden, die ihre Interpretation einer gleichgeschlechtlichen Kussszene zeigen. Auf diese Weise wird sich das Denkmal ständig verändern.


Berlin, im Oktober 2009

An interessierte Videokünstlerinnen und -künstler

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 27. Mai 2008 wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin der Öffentlichkeit übergeben. Es entstand am südlichen Rand des Großen Tiergartens nach dem Entwurf des dänisch-norwegischen Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset. Initiatoren waren die Initiative »Der homosexuellen NS-Opfer gedenken« und der Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Laut Bundestagsbeschluss vom 12. Dezember 2003 soll das Denkmal die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wach halten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen. Der Bau des Denkmals wurde vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert; für seinen Unterhalt ist die Bundesstiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas zuständig. Das Denkmal ermöglicht Besucherinnen und Besuchern durch ein kleines, quadratisches Fenster den Blick auf einen Film mit einer gleichgeschlechtlichen Kussszene. Der Startfilm von 2008 zeigt zwei Männer.

Alle zwei Jahre soll dieser Film durch einen neuen von anderen Künstlerinnen und Künstlern ersetzt werden, die ihre Interpretation einer gleichgeschlechtlichen Kussszene zeigen. Auf diese Weise wird sich das Denkmal ständig verändern.

Es ist geplant, erstmals im Mai 2010 einen neuen Film im Denkmal zu zeigen, der folgenden Mindestforderungen entsprechen soll:

- schwarz-weiß
- gleichgeschlechtliche Kussszene
- max. zwei Minuten Länge

Weitere Informationen unter:

www.stiftung-denkmal.de
 

 
für die gesamte Website: © Alexander Zinn 2008
Aller verfolgten im Nationalsozialismus gedenken - Winkel in allen Farben der Haftgruppen