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Homosexuellen-Denkmal

Das Berliner Denkmal für die
im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Am 27. Mai 2008 wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin von Kulturstaatsminister Bernd Neumann der Öffentlichkeit übergeben. Das Denkmal soll gemäß Bundestagsbeschluss vom 12. Dezember 2003 die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wach halten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen. Es handelt sich um eine Betonstele, die in ihrer Gestaltung an die Stelen des Holocaust-Mahnmals angelehnt ist.

Mit dem Denkmal wird an die Homosexuellen erinnert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Über 100.000 Männer wurden im "Dritten Reich" polizeilich erfasst, rund 50.000 wurden bis 1945 nach dem im Jahre 1935 verschärften Paragraphen 175 des Reichsstrafgesetzbuches verurteilt. Weibliche Homosexualität wurde – außer im annektierten Österreich – nicht strafrechtlich verfolgt. Sie galt den Nationalsozialisten als weniger bedrohlich.

Ein beträchtlicher Teil der nach § 175 verurteilten Männer wurde nach Verbüßung ihrer Haftstrafe entweder von den Justizbehörden direkt ins Konzentrationslager überstellt oder bald nach der Entlassung durch die Gestapo in sogenannte „Schutzhaft“ genommen, was ebenfalls die Einlieferung ins Konzentrationslager bedeutete. Dort wurden die schwulen Männer besonders gekennzeichnet, zunächst unter anderem mit einem großen A wie im KZ Lichtenburg, später nach Einführung einheitlicher Häftlingskategorien, etwa ab 1938 mit dem "Rosa Winkel". Damit wurden sie als Angehörige einer am unteren Ende der Lagerhierarchie rangierenden Gruppe gebrandmarkt. Die Behandlung durch die SS-Mannschaften war oft besonders grausam. Oft blieb den schwulen Häftlingen auch die Solidarität ihrer Mitgefangenen versagt. Die Überlebenschance der Männer mit dem Rosa Winkel in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern war aus diesen Gründen sehr gering.

Vorsichtigen Schätzungen zufolge waren in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern zwischen 5.000 und 15.000 homosexuelle Männer inhaftiert. Ein großer Teil von ihnen überlebte den NS-Terror nicht. Rüdiger Lautmann hat die Todesrate in seinem Standardwerk von 1977 auf 60 Prozent geschätzt.


(1) Rüdiger Lautmann: Seminar Gesellschaft und Homosexualität (hier insbesondere 8. Kapitel). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977 (2. Auflage 1984).
 
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Aller verfolgten im Nationalsozialismus gedenken - Winkel in allen Farben der Haftgruppen