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Die Geschichte der NS-Homosexuellenverfolgung

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 bedeutete das Ende der ersten deutschen Homosexuellenbewegung. Das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee, die von Magnus Hirschfeld 1897 gegründete weltweit erste Organisation, die gegen die Diskriminierung Homosexueller kämpfte, wurde unter dem Druck der Nazis aufgelöst. Am 6. Mai 1933 plünderten nationalsozialistische Studenten und SA-Männer Hirschfelds "Institut für Sexualwissenschaft". Das WhK wurde unter dem Druck der Nazis aufgelöst. Prominente WhK-Mitglieder wie Kurt Hiller wurden in Konzentrationslager verschleppt. Andere, so auch Magnus Hirschfeld, gingen ins Exil. Die Zerschlagung der Homosexuellenbewegung war umfassend. Zeitungen wurden verboten, Kneipen geschlossen. 1934 setzte die systematische Verfolgung homosexueller Männer ein. 1935 verschärften die Nationalsozialisten den § 175 RStGB. Bereits Küsse waren nun strafbar. Über 100.000 Männer wurden polizeilich erfasst, rund 50.000 Männer wurden bis 1945 nach dem neuen § 175 verurteilt und nach Verbüßung ihrer Haftstrafe oft in Konzetrationslager verschleppt. Vorsichtigen Schätzungen zufolge waren in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern zwischen 5.000 und 15.000 homosexuelle Männer inhaftiert. Ein großer Teil von ihnen überlebte den NS-Terror nicht. Rüdiger Lautmann (1) hat die Todesrate in seinem Standardwerk von 1977 auf 53 Prozent geschätzt.

Das "Dritte Reich" hat die deutschen Homosexuellen traumatisiert. Es dauerte Jahrzehnte, bis eine neue Schwulenbewegung entstand. Verfolgung und Ächtung wurden auch in den fünfziger und sechziger Jahren fortgesetzt. Die homosexuellen KZ-Opfer erhielten keine Entschädigung. Erst ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende wurde die nationalsozialistische Fassung des § 175 StGB entschärft. Ein weiteres Vierteljahrhundert dauerte es, bis der verbliebene Rumpfparagraph fiel.

In der Rubrik "Geschichte" der Webiste www.rosa-winkel.de soll zum einen ein Überblick gegeben werden über die nationalsozialistische Verfolgungspolitik gegenüber Homosexuellen. Zum anderen soll die Situation der homosexuellen Männer in den verschiedenen Konzentrationslagern beleuchtet werden. Schwerpunkt der Darstellung sind hier zunächst die Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück.

(1) Rüdiger Lautmann: Seminar Gesellschaft und Homosexualität (hier insbesondere 8. Kapitel). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977 (2. Auflage 1984).

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