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Statement des Regierenden Bürgermeisters von Berlin
anlässlich der Gedenkfeier am 27. Juni 2009 am Mahnmal für NS-verfolgte Homosexuelle

„Nur, wer der Geschichte offen und ehrlich ins Auge sieht, ist gewappnet für die Zukunft. Und nur, wer sich bewusst ist, wie hart die Freiheit in unserer Gesellschaft erkämpft ist, weiß auch um den Wert der Freiheit und der Selbstbestimmung.

Dieses Mahnmal soll uns an die inhumane Strafverfolgung Homosexueller erinnern, die eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte ist. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Schwule massiv verfolgt, in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Aber auch nach dem Ende des NS-Terrors hat es viel zu lange gedauert, bis alle Formen der strafrechtlichen Verfolgung beseitigt wurden. Und: Obwohl die Strafverfolgung längst abgeschafft ist, wirkt das Unrecht von damals nach und viele Menschen leiden noch heute darunter.

Ich fordere daher eine Aufhebung aller Urteile nach § 175. Und ich fordere eine Rehabilitierung und Entschädigung für all jene, die auf der Grundlage eines von vornherein inhumanen Gesetzes verfolgt wurden – und zwar in beiden deutschen Staaten.

An das Unrecht zu erinnern, ist unsere bleibende Verpflichtung gegenüber den Opfern. Gleichzeitig soll uns das Mahnmal dazu ermutigen, auch weiterhin engagiert für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft einzutreten und damit all jenen zu widerstehen, die mit homophoben Anschlägen auf das Denkmal und mit gewalttätigen Übergriffen auf Homosexuelle Angst und Schrecken verbreiten.
 
 
Bleiben wir wachsam. Kämpfen wir gegen Gewalt und Diskriminierung. Und setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass Berlin eine weltoffene und tolerante Stadt ist, in der Vielfalt als Chance erlebbar ist.“

Klaus Wowereit


 
 

 
für die gesamte Website: © Alexander Zinn 2008
Aller verfolgten im Nationalsozialismus gedenken - Winkel in allen Farben der Haftgruppen