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Außenkommando und Außenlager Klinkerwerk

Das Klinkerwerk war schon in seiner Aufbauphase 1938 wegen der dort herrschenden mörderischen Arbeitsbedingungen gefürchtet. Unter den Häftlingen des Stammlagers galt es als Todeslager. Rosa-Winkel-Häftlinge waren hier von Beginn in den verschiedenen Strafkommandos eingesetzt: Im Klinkerwerk selbst, am Schießplatz und in der Tongrube. Auch beim Bau des Häftlingslagers Klinkerwerk, das 1939 bis 1941 entstand, und für das ein Sumpfgebiet trockengelegt werden musste, waren Homosexuelle eingesetzt.

Über die tödlichen Arbeitsbedingungen dabei gibt es einen Bericht des ehemaligen Häftlings Albert Christel:

„Nicht selten wurde der oder jener in den Matsch gestoßen. [...] Oft genug wird er auch mit Hilfe von Stangen hin und her dirigiert, oder gar getaucht. [...] Was ich aber zu sehen kriege, reicht hin, mich glauben zu lassen, was ich mich bislang zu glauben weigerte: dass nämlich auf diese Weise mehr als ein Häftling für immer im Moorgrund geblieben sei und unten zwischen Faschinen versunken, mit zur Festigung jenes Grundes beitrage, auf dem später einmal die Barackenstadt für die Klinkerhäftlinge stehen soll.“

Im Sommer 1942 wurden die meisten Rosa-Winkel-Häftlinge von der Isolierung des Stammlagers ins Außenlager Klinkerwerk verlegt. Dabei handelte es sich um eine Aktion, die ganz offensichtlich das Ziel hatte, sämtliche Rosa-Winkel-Häftlinge zu ermorden. Innerhalb weniger Wochen wurden von Juli bis September 1942 400 bis 500 Häftlinge ermordet, darunter mindestens 200 schwule Männer. 89 der ermordeten Homosexuellen sind uns heute namentlich bekannt.

Diese gezielte Mordaktion vom Sommer 1942 überlebten nur ganz wenige Homosexuelle. Die meisten überstanden den täglichen Terror im Klinkerwerk nicht lange – zwischen Einlieferungs- und Todesdatum liegen in der Regel nur wenige Tage. Für die Rosa-Winkel-Häftlinge war das Klinkerwerk im Sommer 1942 faktisch ein Vernichtungslager.

 

Joachim Müller über die Mordaktion im Sommer 1942

Ein Beitrag Joachim Müllers aus dem Sommer 1992 (!) gibt einen ersten umfassenden Überblick über die Mordaktion im "Klinkerwerk" und Einblicke in die Verhältnisse, die im Außenkommando und im Außenlager "Klinkerwerk" geherrscht haben. Er kann möglicherweise auch den Anlass für die Gründung der Initiative »Der homosexuellen NS-Opfer gedenken« gebildet haben.

"An Flucht war nicht zu denken"

 

Weitergehende Informationen:

In den Reden, die zu den verschiedenen Gedenk- und Jahrestagen in den Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück gehalten wurden, finden sich vielfältige Informationen zur Geschichte der beiden Konzentrationslager und zur Situation der Homosexuellen. Diese sind auf der Website www.rosa-winkel.de dokumentiert.

 
für die gesamte Website: © Alexander Zinn 2008
Aller verfolgten im Nationalsozialismus gedenken - Winkel in allen Farben der Haftgruppen